Fanø: Zwischen Strand, Dünen und Erinnerungen

In diesem Jahr begann meine Reise wie immer mitten in der Nacht. Um drei Uhr aufstehen, noch schnell die restlichen Sachen einpacken und ab ins Auto. Dann beginnt die fast siebenstündige Fahrt Richtung Norden. Erst eine ganze Zeit lang über die Autobahn und in Dänemark dann über Landstraßen. Dort ist es so flach, dass man schon von Weitem die Insel sehen kann. Mit jedem Meter spüre ich, wie die Anspannung weniger wird, wie der Alltagsstress in weite Ferne rückt.

Zwölf Minuten. So lange dauert die Fahrt mit der Fähre vom Hafen in Esbjerg auf die wunderschöne Nordseeinsel Fanø. Nur noch zwölf Minuten, dann bin ich endlich zuhause.

© Rahel Bernhardt

Auf Fanø gibt es alles, was mein Herz begehrt. Es gibt einen fast 16 Kilometer langen Sandstrand. Watt und Dünen, die immer größer werden. Felder mit Kühen, Schafen und Pferden drauf. Heideflächen, die im Sommer wunderschön lila blühen. Wälder, in denen man im Spätsommer und Herbst Pilze sammeln kann. Wilde Tiere, wie Rehe, Hasen, Füchse und Vögel aller Art, im Hafenbecken sonnen sich regelmäßig die Robben. Neben der Natur gibt es auch Kultur, die man sich anschauen kann. Hübsche kleine Kirchen, eine Windmühle, das Dorf Sonderhø, das mal zum schönsten Dorf Dänemarks gekürt wurde, und kleine hyggelige Läden und Restaurants.

Eine Sache aber ist die allerwichtigste: Ruhe! Es gibt keinen Verkehrslärm, keine oder selten laute Nachbarn, keine Rasenmäher, die einem morgens um acht oder abends um sechs in den Ohren dröhnen. Alles, was man nachts hört, ist der Wind, der durch die Bäume weht, und das Rauschen des Meers.

Seit ich ein Baby war, ist kein Jahr vergangen, in dem ich nicht Urlaub auf Fanø gemacht habe. In manchen Jahren war ich sogar mehrmals dort. Ich habe nicht mitgezählt, aber ich müsste schon über dreißig Mal auf dieser Insel gewesen sein.

An Fanø sind so viele Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend verbunden. Wie wir früher im Meer schwimmen und dann barfuß vom Strand zum Ferienhaus zurückgelaufen sind. Wie wir in den Dünen gespielt haben oder alle zusammen ein Eis essen gegangen sind. Wie wir im Herbst im Wald Pilze gesammelt haben oder am Strand Muscheln und Bernsteine.

© Rahel Bernhardt

Die ersten Pilze haben wir auch in diesem Jahr gesammelt, Bernsteine gab es wenige – daran war der Ostwind schuld –, Muscheln dafür wie immer jede Menge. Auch heute noch gehen wir gerne Eis essen und ich war sogar nach bestimmt fünfzehn Jahren mal wieder im Meer schwimmen. Im Grunde war alles wie immer und trotzdem habe ich neue Erinnerungen gesammelt. Und das liebe ich so an unseren Fanø-Urlauben: dass es sich immer wieder so anfühlt, als käme ich nach Hause. Obwohl sich die Insel mit jedem Jahr, manchmal sogar innerhalb weniger Monate immer mehr verändert, bleibt sie trotzdem vertraut. Es fühlt sich nicht nach einem fremden Ort an, sondern nach einem Stückchen Heimat.

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