(Nach) Leer ausgehen / Ostfriesland im Oktober


Reite auf meiner 60 PS-Schuld wie jedes Jahr
ins Flachland, wo’s noch Sümpfe gibt.
Halte Platz frei für Tee und weißen Kandis. Eine Jacke
als Alibi und Pfefferminze; krank
werden, wie jedes Jahr, krank bleiben vermeiden,
ist meine Form der Akzeptanz. Ein
kleiner Preis für Fasane am Fenster bei Instant-Kaffee, für
Löffler, deren schwarzer Schnabel alles ist,
was wir sehen. Wie jedes Jahr
träume ich von Odinshühnchen, huste hockend in
Holzbauten, Glas zwischen
mir und all den Federn, die fressen, pausieren,
wie jedes Jahr schnattern und streiten. Würmer
tanken für nochmal 4000 Kilometer.
Salz in der Luft tut gut, es hätte mehr sein können,
hätten mehr Atemzüge sein können, wie jedes Jahr
weine ich ein wenig,
verabschieden mich die Kraniche, Graugänse auf
grünen weiten Wiesen, nimmt mich die
Autobahn in ihre breiten Arme und
blaue Schilder suggerieren mir Heimat, immer
nach Frankfurt, obwohl ich noch nie
in Frankfurt war. Unbeständig kommt’s hoch das
Ziehen. „Fahr, fahr weiter. Schau nicht -
nicht nach rechts”, doch da ist nichts. Nicht im Auto,
nicht zu Hause, nicht in
drei Wochen danach auf der Arbeit, aber
es ist da, es muss, denn es zieht
und nichts anderes macht es wahr.

©Joseph Doe

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