How I Met Your Mother (again and again and again…)

Achtung: Wer How I Met Your Mother noch nicht geschaut haben sollte (fänd ich zwar komisch, aber ok), die*den erwarten natürlich massive Spoiler. Da mach ich keinen Halt. Also weg hier und schauen!

Sitcoms sind zur einfachen Belustigung gemacht. Situationskomik, eingespielte Lacher, wiederkehrende Sets. Folgen, die meistens in sich abgeschlossen sind. Überspitzte Figuren. Überschaubare Plots. Easy. Man muss sich nicht stark auf diese Serien konzentrieren, sondern kann sie auch einfach nebenbei laufen lassen und währenddessen ganz viel anderen Kram erledigen – zum Beispiel auf TikTok rumhängen. Heutzutage werden Filme sowieso für Zuschauende konzipiert, die keine 90 Minuten mehr ohne Handy in der Hand aushalten. Dann kann man sich auch von einer 20-minütigen Folge berieseln lassen.

© Nicolas J Leclercq auf Unsplash

Ich habe schon Unmengen an Sitcoms geschaut: The Big Bang Theory, New Girl, Two and a Half Men, Friends… und doch gibt es eine Sitcom, die vermutlich immer mein absoluter favorite bleiben wird, und das ist How I Met Your Mother. Ich habe alle neun Staffeln schon so oft geschaut, dass ich das auch an zwei Händen nicht mehr abzählen kann. Ich schaue die Serie zum Einschlafen, ich schaue sie, wenn es mir schlecht geht, ich schaue mir sogar YouTube-Videos über Theorien und Easter Eggs des HIMYM-Universums an. Ich kriege einfach nicht genug. Und auch mein Umfeld bekommt das zu spüren: Mein Freund musste sich die Serie auch schon mit mir ansehen (und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, das kann ich versprechen) und meine erwartungsvollen Blicke auf sich spüren – schließlich muss er doch an den passenden Stellen lachen. Oder schockiert sein. Oder sich auch mal eine Träne verdrücken. Diese Serie ist schließlich eine emotionale Achterbahnfahrt, wieso sonst weine ich jedes Mal, wenn Marshalls Vater stirbt?!

Ich werde How I Met Your Mother also nicht überdrüssig. Aber woran liegt das? 

Wer erzählt hier eigentlich wann was?

Als Fan (und gelegentlich Erzählerin eigener) schlechter Witze ist man mit HIMYM natürlich gut bedient. Die vielen Running Gags, Barneys Catchphrases und die Slap Bet sind nur kleine Teile des humoristischen Kosmos, der mit der Serie eröffnet wird. Gemischt wird dies mit einer grandiosen Storyline und dem spielerischen Erzählen: Im Jahr 2030 erzählt Ted seinen Kindern die Geschichte, wie er ihre Mutter traf (who would have thought) und in dieser Geschichte erzählt er zwischendurch von noch früheren Vergangenheiten. HIMYM arbeitet demnach mit unterschiedlichen Zeitebenen, die wunderbar miteinander verstrickt werden. Es werden nicht bloß unterschiedliche Ebenen des Erzählens eröffnet, sondern die verschiedenen Zeitebenen auch komödiantisch eingesetzt – zum Beispiel wenn der Erzähler Ted aus dem Jahr 2030 selbst ganz durcheinander kommt, wann gewisse Ereignisse passiert sind und dies auch offen adressiert (natürlich denke ich hier an den Ziegen-Vorfall an seinem 30. (oder 31.?) Geburtstag). 

© Michael Discenza auf Unsplash

Doch auch wer erzählt, ist von entscheidender Bedeutung. Natürlich kann man die überspitzten Charaktere, heftigen Reaktionen der Figuren oder unrealistischen Plots ganz einfach der Machart von Sitcoms zuschreiben. Das wäre aber auch ein bisschen platt. Und damit wäre dieser Essay an dieser Stelle auch vorbei. Viel eher kann man die eben genannten Dinge auf Teds subjektive Wahrnehmung und Erzählung zurückführen. Natürlich haben viele seiner Ex-Freundinnen Macken oder behandeln ihn schlecht (Ted ist basically der Erfinder des crazy ex-girlfriend-Narrativs), damit er es rechtfertigen kann, sie alle der Reihe nach abzuservieren. Natürlich möchte er in Berichten über Streitereien mit seinen Freund*innen vor seinen Kindern besser wegkommen. Und natürlich wird Barney als soziopathischer Frauenheld dargestellt, damit bloß nicht erkannt wird, dass sich Ted und Barney eigentlich ziemlich ähnlich sind. Nein, Ted ist doch einfach nur ein hoffnungsloser Romantiker – oder?

Durch ihre Erzählweise hebt sich HIMYM von all den anderen Sitcoms ab, die ich bisher gesehen habe, und macht sie für mich einzigartig. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich sie immer wieder schauen kann: Ich genieße diese besondere Erzählsituation und habe bei fast jedem Rewatch eine neue Erkenntnis, wie Teds Sicht bestimmte Dinge beeinflusst. Doch bei jedem Rewatch fallen mir auch immer mehr problematische und schlecht gealterte Dinge auf, die mich vieles kritisch hinterfragen lassen.

Fatshaming, Objektifizierung und der romantische Held

Viele Witze in How I Met Your Mother geschehen auf Kosten von Frauen. Schließlich wurde ein ganzer Charakter erschaffen, dessen bloße Existenz aus der „Eroberung von Frauen“ besteht. Barney Stinson denkt sich die verrücktesten Geschichten aus und lügt über seine eigene Person, nur um Frauen ins Bett zu bekommen. Ich meine, come on: Ich bin ein Dschinn und dein Wunsch geht in Erfüllung, wenn du mein… bestes Stück reibst? Ernsthaft? Und darauf fallen die Frauen rein? 

Ja. Viele der fiktiven Frauen kaufen ihm seine Maschen ab und gehen mit ihm nach Hause – nur um am nächsten Tag eine leere Betthälfte neben sich zu finden. HIMYM lebt von dem Klischée, dass viele Frauen dumm und naiv sind und alles glauben, was Männer ihnen erzählen. Zwar gibt es auch einige Ausnahmen (allein die beiden Protagonistinnen), aber dennoch hatte Barney nach eigenen Angaben Sex mit über 200 Frauen. Let that sink in.

© Edgar Chaparro auf Unsplash

Vor allem zu Beginn der Serie behandelt Barney Frauen wie austauschbare Objekte (er macht zwar ein gewisses character development durch, aber tbh: das reicht nicht). Er sieht ihre Brüste, ein schönes Gesicht, interessiert sich nicht für ihre Gefühle oder ihre Persönlichkeit, hat ein Mal Sex mit ihnen und haut dann ab – nur um diese Prozedur am nächsten Abend zu wiederholen. Ihm ist es egal, welche Frau genau neben ihm liegt, Hauptsache, sie ist willig und schläft mit ihm. 

Wobei, ein ganz bestimmtes Auswahlkriterium hat Barney für seine Eroberungen: Sie müssen schlank sein. Es wird zwar nicht in jeder Folge betont, doch Fatshaming-Witze sind durchaus präsent. HIMYM glänzt ohnehin nicht durch eine diverse Repräsentation unterschiedlicher Körpertypen – welche Serie tut das schon –, setzt dann aber noch auf schlechte Witze, die betonen sollen, dass die männlichen Charaktere sowieso nie mit dicken Frauen schlafen würden. Warum sollten sie dann überhaupt Platz im HIMYM-Universum bekommen?

Neben Barney wird auch Ted mir mit jedem Rewatch unsympathischer. Er proklamiert sich als hoffnungsloser Romantiker: Seit Staffel 1 ist es sein Wunsch, endlich die Frau für‘s Leben zu finden, sie zu heiraten und mit ihr eine Familie zu gründen. Awww, sweet. Auch die anderen Serien-Figuren hoffen ständig, dass Ted endlich die Liebe findet und sein Happy End bekommt. Er wird als sanft beschrieben, romantisch. Doch treffen diese Beschreibungen oftmals einfach nicht zu.

Es wurde schon deutlich gemacht, dass Ted sein jüngeres Ich in seiner Erzählung im Jahr 2030 deutlich besser darstellt. Zwar gesteht er sich auch gewisse Fehler ein und macht diese vor seinen Kindern transparent (er bezeichnet es selbst als den größten Fehler seines Lebens, Victoria mit Robin betrogen zu haben), doch die meiste Zeit hält er lediglich das Bild von sich als romantischen Helden der Geschichte aufrecht, während er in Wahrheit nicht besser als Barney ist. Er hangelt sich von einer Freundin zur nächsten, beendet die Beziehungen wegen Kleinigkeiten (SELBST AM GEBURTSTAG SEINER FREUNDIN), macht Frauen Hoffnung und zieht dann weiter – mit der Begründung: „She‘s not the One.“ Das mag ja sein, ist für mich aber trotzdem nur eine Ausrede, um nicht das Arschloch zu sein. Dabei kann er doch nichts dafür – es war einfach nicht die große Liebe *seufz*!

© Sara Kurfeß auf Unsplash

Und natürlich hat er das Narrativ des crazy ex-girlfriends durchgespielt: Freundin Nr. 8 war halt einfach soo eifersüchtig auf Robin (komisch)! Freundin Nr. 17 hat einfach viel zu viel gebrabbelt! Freundin Nr. 35 hat meine Wohnung demoliert, nachdem sie das Playbook gefunden hat! Wie können sie alle nur! Die waren alle einfach viel zu verrückt! I hope you get the irony.

How I Met Your Mother ist an vielen Stellen schlecht gealtert. Trotzdem muss ich die Storyline und die Erzählweise immer wieder loben. Ich finde auch keine abschließende Antwort auf die Frage, warum ich diese Serie immer wieder schauen kann. Sie hat so viele starke Elemente, aber auch so viele kritische Momente. Ich liebe die Figuren, die Balance zwischen Komik und Ernsthaftigkeit und die verstrickten Plots. Ich hasse die sexistischen Witze, viele von Teds und Barneys Charakterzügen und das Ende der Serie (davon möchte ich hier gar nicht erst anfangen). Vielleicht ist das der Grund für meinen Rewatch-Wahnsinn: Dass ich immer neue Aspekte entdecke, die mich zum kritischen Hinterfragen anregen, und mich gleichzeitig in der Bequemlichkeit des Vertrauten wiegen kann.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Kulturproleten

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen