Der Mai hat die ersten richtigen Sommertage des Jahres gebracht und damit auch Gelegenheit, mal ein paar Aktivitäten außerhalb der Wohnung anzugehen. Natürlich haben wir aber auch genug Zeit mit Büchern, Serien, Filmen und Musik verbracht, um euch aus allen Bereichen ein paar Proletenpräferenzen mitzubringen. Alle wurden eingehend von uns konsumiert, ausprobiert, getestet, analysiert und überdacht, bis wir schließlich das eine wahre Werturteil fällen konnten: kann man nicht meckern.

Meine Proletenpräferenz ist diesmal vielleicht ein bisschen besonders: Ich war nämlich mal wieder Minigolf spielen – Ja Minigolf! Wir haben eine Fahrradtour gemacht und sind bei einem süßen Hof gelandet, der einfach eine Minigolfbahn und ein kleines Café hatte. Ich fand das so toll. Ich kann es wirklich nur empfehlen. Nicht nur das Minigolfen an sich, sondern auch einfach die Zeit, die ich mit meinen Freundinnen da verbracht habe. Nehmt mal eure Freund*innen und fahrt irgendwo hin. Ihr werdet es nicht bereuen!
Alternativ habe ich diesen Monat mal wieder Farm der Tiere von George Orwell gelesen. Ich hatte es vor einigen Jahren bereits als Hörbuch gehört. Das kann ich auch sehr dolle empfehlen. Erst recht das Hörbuch, das von Hans Korte gelesen wird. Es wird dort so emotional vorgetragen, dass man wirklich in die Geschichte versetzt wird. Die Lieder werden vorgesungen, die Tiere haben unterschiedliche Stimmlagen und der Ruf am Ende nach Boxer ist wirklich herzzerreißend. Wenn ihr noch nie Farm der Tiere gelesen habt, ist das Hörbuch wirklich ein guter Einstieg in den politischen Roman.
Anastasia


I’m lost in Lost. Man könnte sagen, ich sei ein bisschen spät dran, angesichts der Tatsache, dass die Serie schon seit über 15 Jahren vorbei ist. Ich habe so viel darüber gehört und hatte immer das Gefühl, dass man dafür bereit sein muss. Und diesen Monat war ich endlich bereit! Zumindest dachte ich das … aber nichts auf dieser Welt hätte mich darauf vorbereiten können, was in dieser Serie passiert. Doch genau das ist es, was ich daran so liebe – man weiß eben nie, was einen erwartet. Alles kann passieren und nichts ist so, wie es scheint. Ich habe mich schon in den ersten zehn Minuten in diese Serie verliebt. Es ist die perfekte Mischung aus Spannung, Mystery und einem Hauch von Witz. Und mit einigen Charakteren würde ich gerne auf einer einsamen Insel festsitzen *hust Sawyer*. Die erste Staffel habe ich jetzt durch (also bitte keine Spoiler!) und ich bin so gespannt, was noch alles auf mich zukommt.
Rahel
Obwohl der Sommer langsam kommt, es warm wird und die Sonne scheint, habe ich gerade nur Augen für eine Sportart: Eishockey. Und damit meine ich kein echtes Spiel – ich war noch nie in einer Eishockeyhalle – sondern Serien, in denen es um Eishockey geht. Ein bekanntes Beispiel wäre natürlich Heated Rivalry, aber meine Proletenpräferenz im Mai ist eine Andere: die Serie Off Campus.
Ich habe damals schon die Buchreihe gelesen, von der ich eher so mäßig begeistert gewesen bin. Und normalerweise finde ich Verfilmungen immer schlechter als die Bücher. Aber Off Campus hat mich irgendwie gecatcht. Und das mag vielleicht an TikTok liegen, vielleicht auch an diesen vielen wunderschönen Menschen, die in der Serie mitspielen, auf jeden Fall bin ich hin und weg. Manche Momente sind cringe, manche Reaktionen und Storylines an den Haaren herbeigezogen, aber was ich so erfrischend finde, sind die Charaktere der männlichen Figuren. Wir sehen tiefgehende, emotionale Männerfreundschaften, Männer, denen Consent wichtig ist und denen es beim Sex vorrangig um die Lust der Frauen geht. All das sollte bare minimum sein, findet aber in Filmen und Serien immer noch zu wenig Repräsentation. Die meiste Zeit wird toxisches Verhalten fiktionaler Männer einfach nur romantisiert – hier haben wir echte green flags, mit denen man auch im echten Leben zusammen sein möchte. Und das fehlt leider in Filmen und Serien noch.
Sina

Bunte Szenerien, entspannend plätschernde Musik und fantasievolle, kreative Geschichten – das alles steckt in den Filmen von Studio Ghibli, wie ich diesen Mai lernen durfte. Meine beste Freundin hatte darauf bestanden, mir endlich einen ihrer Lieblingsfilme zu zeigen: Howl’s Moving Castle. Und so wurden mir an einem verregneten Donnerstag die Tore zu einer großartigen Welt geöffnet. Wunderschöne Landschaften, ein beinahe lebendiges, laufendes Schloss, ein junger Zauberer auf der Suche nach seinem Herzen und Zweck in der Welt und Sophie, die sich eigentlich von einem Fluch befreien will und dabei zu sich selbst findet- die Geschichte ist so vielschichtig, dass man sie nicht mal eben (und vor allem spoilerfrei) zusammenfassen kann. Aber sie lässt einen auch nicht mehr so einfach los! Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und berühren einen so sehr, dass man am liebsten direkt mit ins Schloss einziehen möchte. Dazu kommt eine sehr entschleunigende Erzählweise, durch die man sich einfach nur wohl fühlt, die Musik und schönen Eindrücke genießt und dabei einen vielfältigen Plot verfolgt. In der Filmlandschaft von heute findet man sowas eher selten.
Ich weiß, die Studio Ghibli-Filme sind schon lange bekannt für ihre detailverliebten und großartigen Welten, aber es war etwas Besonderes, nun auch mal selbst hineinzustolpern (wobei ich eigentlich eher wohlwollend geschubst wurde). Auch beim allerersten Schauen fühlte es sich für mich an, als würde man zurück in ein vertrautes Zuhause kommen: „I’ve been looking everywhere for you.“
Josephine
Deckenlicht Vorteile: Hell (deutsch).
Deckenlicht Nachteile: Hell (englisch). Böse.
Indirektes Licht Nachteile: Man kann weniger leicht eine komplizierte OP durchführen.
Indirektes Licht Vorteile: Das Licht ist lieb, das Licht ist weich. Das Licht will, dass es mir gut geht. Das Licht nimmt Rücksicht auf mich. Das Licht streichelt meine Netzhäute. Das Licht lässt Raum für Fantasie. Das Licht unterstützt mich, aber pusht mich nicht. Das Licht gibt mir Schutz. Das Licht verschweigt meine Unreinheiten. Das Licht hält nett meine Hand. Das Licht sagt mir, das wird schon.
Indirektes Licht ist wie Balsam auf den Pupillen, wenn man vorher nur eine nacke Glühbirne an der Decke hatte.
Helena

Da ich diesen Monat viel Zug gefahren bin und ich mir die Zeit am liebsten mit guter Musik und einem spannenden Buch vertreibe, gibt es dieses Mal gleich mehrere Empfehlungen von mir: Songs, die ich neu entdeckt und zu meinen Lieblingssongs auf Spotify hinzugefügt habe, und eine Romanempfehlung, die mich aus meiner Leseflaute geholt hat!
Durch Zufall (oder meinen trainierten Algorithmus) wurde mir die Sängerin Khatumu mit ihrem Song Matador auf Instagram vorgeschlagen. Im Song geht es um eine toxische Beziehung und die gleichzeitige Gewohnheit, immer nach red flags Ausschau zu halten. Auch ihre anderen Songs kann ich euch sehr empfehlen!! Chloe Slater ist keine Neuentdeckung für mich, ihr Song Ugly allerdings schon. Ich liebe alles von ihr – so auch ihre neueste Kreation! Ihre Musik ist politisch und on point! Die schwedische Sängerin jalda singt in ihrem Song Blond über unerreichbare Schönheitsideale, die sie letztendlich demaskiert. Der Song geht ins Ohr und bringt euch zum Tanzen! In stargirls singen verifiziert und Emma Rose von Peak-Girlhood-Momenten. Der Song könnte euer nächster Sommersong werden. Und zuletzt kann ich euch Radar von SWEED wärmstens ans Herz legen. Ich habe SWEED letztes Jahr auf dem Geheimkonzert von rausgegangen entdeckt und kann seitdem nicht mehr ohne seine Musik! Sie macht gute Laune, fühlt sich wie eine innige Umarmung an und vor allem nach Sommer!!
Mit den Songs im Ohr lese ich gerade den Debütroman Weisser Sommer von Eva Pramschüfer. Eva Pramschüfer schreibt lebensnah und authentisch. Sie kreiert Charaktere mit Gefühlen, die durch die Seiten spürbar sind – so nah, dass sie während der Zugfahrt neben mir sitzen könnten. Im Roman geht es um Alma und Théo. Sie verbringen einen letzten Sommer zusammen in Südfrankreich, bevor sie entscheiden müssen, ob sie ihrer Beziehung noch eine Chance geben oder getrennte Wege gehen. Letztendlich bleibt die Frage, ob man in einer Beziehung oder alleine glücklicher ist.
Neele

Die Sonne lacht, das Herz bleibt dunkel. Die düsteren Klänge und Motive des Black Metal catchen mich bei jeder Wetterlage, doch in diesem Mai möchte ich keine Musik empfehlen. Stattdessen hat es mir ein Medium angetan, was wir in unseren Proletenpräferenzen bisher noch nicht dabeihatten: ein Zine. Fanzines sind ursprünglich aus der SciFi-Fankultur hervorgegangen und wurden im musikalischen Bereich besonders in der Punk-Subkultur und später von den riot grrrls erstellt. In feinster DIY-Kultur werden hier Artikel, Interviews, Fanart und mehr verbreitet.

So auch in meinem Lieblingsfundstück: Finster Magazine Vol. 1. Hier dreht sich alles um Black Metal – und wer Black Metal kennt, weiß, dass es sich hier für gewöhnlich um heterosexuelle weiße Männer dreht. Bei Finster sieht die Sache anders aus, denn es ist „ein Zine von, mit und über FLINTA* im Black Metal“ (Zitat: Helena Walter). Eine Perspektive, die – trotz inzwischen zahlreicher Frauen im Genre –, nach wie vor zu kurz kommt. Helena Walter greift die Frage nach FLINTA* in der Szene aus allen erdenklichen Winkeln auf und schreibt nicht nur Plattenkritiken und Konzertreviews von female fronted Bands, sondern greift auch das ganze drumherum auf, was die Subkultur ausmacht. Dabei werden nicht nur Tutorials zu DIY-Tonaufnahmen oder Corpse Paint geteilt, sondern auch die Männlichkeitsbilder im Metal kritisch und humorvoll unter die Lupe genommen. Besonders schön auch die Doppelseite mit Memes von @obermaus4tausend, die nicht nur super witzig sind, sondern an dieser Stelle auch die digitale Fankultur mit dem analogen Zine verbinden.
Die Ästhetik des Black Metal beschränkt sich allerdings nicht nur auf seine klangliche Ebene, sondern lebt in großen Teilen auch von seiner optischen Gestalt, die aus tradierten Bildern und Zeichen besteht: Corpse Paint, Patronengurte, umgedrehte Kreuze, unleserliche Bandlogos – you name it. Daher ist es eigentlich schon Pflicht, dass das Finster diese Elemente in seiner Aufmachung aufgreift. Mit durchgängig weißer Schrift auf schwarzem Grund und hochkontrastigen Bildern und Schrift im Bandlogo-Stil tut es das auch und ist ein wahres Schmuckstück. Wirklich großartig ist es aber dadurch, dass es mit Tradition und Klischee bricht. Bestes Beispiel ist die Fotostrecke Looking For A Big Titty Goth GF: Hier ist eine Person zu sehen, die mit langen Haaren und Corpse Paint erstmal jeder Second-Wave-Truppe entstammen könnte, die jedoch erkennbar weiblich ist und das durch Minikleid, High-Heels und Blumenstrauß sogar unterstreicht. Femininität als gelebter Tabubruch des Genres sozusagen. Und ist nicht genau das in einer Subkultur, die seit jeher von Provokation und Tabubrüchen lebt, vielleicht sogar das Tabu, was es zu brechen gilt, um den widerständigen Geist des Black Metal fortzuführen?
Tomke

Der WG-Putz stand mal wieder an und dazu wird natürlich Musik gehört. Plötzlich war ich unentschlossen, welches Album oder welche Playlist es werden sollte. Ohne viel nachzudenken, entschied ich mich also für meine Lieblingssongs-Playlist, in die ich über die Jahre immer wieder Songs aussortiert hatte, die ich zwar zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr hören wollte, die aber trotzdem nicht vom Radar verschwinden sollten. Direkt der erste Song (We Should Go To France von Urban Cone) katapultierte mich in die Zeit zurück, in der ich den Song gerne gehört hatte. Okay, vielleicht verbinde ich mit der Schulzeit nicht mehr so die besten Erinnerungen, aber guten Musikgeschmack hatte ich scheinbar schon damals. Meine Proletenpräferenz diesen Monat ist also meine Lieblingssongs-Playlist der vergangenen Jahre. Kramt mal wieder in eurem Musik-Archiv und entdeckt alte, heiß geliebte Songs wieder, mit denen ihr (hoffentlich) eine gute Zeit verbindet. Vielleicht wird’s das Comeback des Jahres und landet sogar in eurem Wrapped für 2026!
Sinja
Sinja hat im Grunde schon alles Wichtige gesagt. Auch ich kann mein Leben anhand der Musik sortieren, die ich zu verschiedenen Phasen gehört habe, und stöbere gerne in diesem Erinnerungsalbum herum. Vor ein paar Wochen bekam ich dabei unverhofft Hilfestellung: einen Link zu einem speziellen Spotify-Wrapped, das – wie viele andere Trends – normalerweise an mir vorbeigegangen wäre. Durch die Funktion Your Party Of The Year(s) kann ich sehen, welche Künstler und welche Songs ich seit 2016 am meisten gehört habe. Die Ergebnisse waren im Grunde so, wie wenn ich in alte Fotoalben schaue: Sie haben mich überrascht, an Schönes und nicht so Schönes erinnert, lächelnd oder peinlich berührt zurückgelassen. Ich bin gespannt, wie es euch ergeht: https://open.spotify.com/presents/partyoftheyears?si=msT3-L2pRYCzZTXVWw7gtg&locale=de
Julian

Kommentar verfassen