Kapitol(ismus) – Der große Fashion-Gaga der Met Gala

„Zeigen wir denen mal, was wahrhaftige Schönheit ist!“ – Effie Trinket in: Die Tribute von Panem: Catching Fire

Unter dem diesjährigen Motto Fashion is Art hat die Met Gala mal wieder die Reichen und Schönen aus Hollywood eingeladen, damit sie allesamt auf dem roten Teppich ihren großen Moment haben können: sie präsentieren ihre pompösen, bunten, mit Pailletten bestückten Outfits, nur damit die Fotos im Internet landen und die Looks auf TikTok bewertet werden können. Wofür dieser ganze Quatsch, fragt man sich da, während man selbst mit einer offenen Chipstüte im Bett liegt, durch Social Media scrollt und sich alle 254 Fotos der einzelnen Styles anschaut. Genauso geht es mir fast jedes Jahr: jedes Jahr stolpere ich über diese Veranstaltung, hinterfrage Hollywood, rege mich über die Sinnlosigkeit auf und bemerke dann doch, dass auch ich die Styles begutachte und gierig darauf warte, welche neuen Hollywood-Pärchen ihren ersten öffentlichen Auftritt auf besagtem rotem Teppich haben werden. Wollte ich, dass Zoë Kravitz und Harry Styles ihre Beziehung auf der Met Gala offiziell launchen? Habe ich darauf gewettet, dass Blake Lively trotz der Kontroversen in den letzten Jahren wieder eingeladen wird? War ich völlig aus dem Häuschen, als Hudson Williams und Connor Storrie dort ihren ersten richtig großen Auftritt nach Heated Rivalry hatten? NATÜRLICH! Jede Pose, jeden gemeinsamen Auftritt, jedes Outfit habe ich konsumiert, als gäbe es kein Morgen, nur um mich danach ein bisschen selbst zu verabscheuen.

©rubenmares509 auf pinterest

Zwischen Heidi Klum als Statue, Rachel Zegler als das Kunstwerk The Execution of Lady Jane Grey und vielen, VIELEN langweiligen schwarzen Smokings frage ich mich echt, warum es diese Veranstaltung überhaupt noch gibt. Ist das wirklich Kunst? Ist Fashion nicht sowieso Kunst? Gehört das noch zur Kultur? Oder soll die Met Gala nicht einfach nur aufzeigen, in welche Bereiche Unmengen an Geld gesteckt werden und wie reich die Superreichen eigentlich sind? Und was bitte finde ich jedes Jahr aufs Neue so faszinierend an dieser eigentlich so großen Absurdität?

Mir fällt es schwer, auf diese Fragen plausible Antworten zu finden. Die Met Gala erinnert mich immer an das Kapitol aus Die Tribute von Panem. Eine fiktionale Dystopie. Allerdings findet die Met Gala in der Realität statt – und wirft dabei die Frage auf, wie viel Dystopie-Potenzial in unserer heutigen Gesellschaft steckt.

©sophvillanuevaa auf pinterest

Von Sina Peters

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