April auf Film 

Im April war der Movie-Kinosaal im Schlosstheater mein zweites Zuhause. Reihe 3, Sitzplatz 6. Das Treiben auf der Leinwand hat mich mitgenommen, fasziniert, teilweise enttäuscht und die ein oder andere Träne gekostet. Filme haben mich ergriffen, von denen ich es nicht gedacht hätte, während mich andere, auf die ich mich lange gefreut habe, eher enttäuscht haben. Vier Filme, vier Wochen. Viermal meine Gedanken dazu. Wir gehen rein. 

© Foto von Evelyn Verdín (metttanoia) auf Unsplash.

2026 ist ein ausgesprochen vielversprechendes Filmjahr. Filme wie Hamnet, Der Teufel trägt Prada 2, Dune: Part Three, The Drama und The Hunger Games: Sunrise on the Reaping sind große Titel, die die Kinosäle bereits gefüllt haben und noch füllen werden. I‘m late to the party, aber seit Kurzem stöbere ich mich durch die Filmrezensionen auf Letterboxd – eine neue Scrollaktivität mit vielleicht etwas mehr intellektuellem Gehalt als auf anderen Social-Media-Plattformen. Darüber ließe sich streiten. Auf meiner Reise durch die Tiefen der Plattform, die Tumblr ziemliche Konkurrenz macht (minus dem visuellen Charakter und vor allem für Filme), bin ich auf wahre Goldschätze gestoßen. Diese kann ich euch nicht vorenthalten. Oft beschreiben sie die Essenz eines Films besser als jede ausgeklügelte, hoch gestochene Analyse. Auf den Punkt und ungeschönt ehrlich. Ohne ein Gefühl für die Zeit zu haben, grabe ich mich stundenlang durch Rezensionen und Gedanken, gleiche sie mit meinen eigenen ab, finde Zuspruch, stoße auf Widerspruch und ganz neue Perspektiven. Für euch gibt es nun eine Auswahl meiner rohen Gedanken, versüßt mit Letterboxd-Reviews und Kommentaren, bei denen ich schmunzeln musste.

The Drama ist vielleicht schon mein Highlight 2026 (?)

„Drama(tic) and fun. Zendaya was fab, Pattinson looked confused the entire time? And may none of us ever find a friend like Rachel.“aakritijoanna

„Die Wohnung von denen ist voll schön“ – Livisalive

Auf The Drama habe ich mich seit dem ersten Teaser gefreut: Ein psychologisches Drama, das nicht zu viel verrät, Zendaya in der Hauptrolle und Robert Pattinson mal nicht als blutsaugender Vampir, aber als Manchild in der Fiancé-Rolle. Die Frage, welches Geheimnis eine Beziehung sieben Tage vor der Hochzeit so ins Wanken bringen könnte, ließ mich grübeln und neugierig werden. Moderne Romance Filme verhandeln nicht mehr nur das Verlieben und Lieben an sich, sondern vor allem moralische Dilemmata. Im Kino wird schnell deutlich, dass auch The Drama mit der Erwartung, eine klassische RomCom zu sein, bricht. Es geht an der Oberfläche um eine Hochzeit, aber wenn wir uns die Tiefenstruktur anschauen, verhandelt der Film, welche Entscheidungen wir in Beziehungen treffen und was diese Entscheidungen letztendlich über uns aussagen. Der Film lädt dazu ein, sich mit dem eigenen moralischen Kompass auseinanderzusetzen. Welche Verfehlungen kann ich meiner Partnerperson vergeben, welche nicht? Wo ziehe ich meine eigene Grenze? Charlie liebt Emma, ohne ihren Verfehlungen Raum zu geben. Ist das dann überhaupt noch echte Liebe?

© Foto von Roma Kaiuk (@roma_kaiuk) auf Unsplash.

Insgesamt haben mich die Dialoge, das Setting, aber auch die Kameraführung sehr überzeugt! Eigentlich alles, was mit psychologischem Horror zu tun hat (oder von A24 produziert wird), nimmt mich mit, bewegt mich, verändert mich nachhaltig. Auch die Performances von Zendaya und Robert Pattinson waren wirklich gut. Und ja, omg ihre Wohnung im Film ist so unfassbar schön! 

Eins was uns der Film lehrt: Wir kennen einen Menschen nie ganz, wir vermuten ihn zu kennen. Doch es ist nur das, was uns dieser Mensch über sich preisgibt. Müssen wir überhaupt alles über unsere Partnerperson wissen? Und: Suche dir deine Freund*innen weise aus. Ansonsten hauen sie dich vor deinem Verlobten in die Pfanne. Denn wir alle wissen, the true villain in The Drama ist nicht Emma, gespielt von Zendaya, sondern ihre beste Freundin Rachel. Ist jemand mal ihrer Story nachgegangen? Geht es dem Jungen wirklich gut? Auch Emmas Verlobter Charlie, gespielt von Robert Pattinson, macht ihr diese Rolle streitig. Wann hat Charlie vergessen, dass er selbst auch kein Unschuldslamm ist?

Ein Song aus dem Soundtrack, der es in meine Playlist geschafft hat: Les Fleurs von Minnie Riperton. 

Zufällig gefunden und direkt berührt – The History of Sound

„josh o’connor in a sad gay movie is my religion“justinwuah

„It’s always wanna get drinks? and never let’s traipse through the American northeast collecting folk songs and sleeping in a tent togetherhannahcoh

© Foto von ebor auf Pixabay.

Auf diesen Film bin ich eher zufällig gestoßen, ohne genau zu wissen, was mich erwartet. The History of Sound erzählt die Geschichte zweier junger Musikstudenten des Boston Conservatory im 20. Jahrhundert. Ihre Liebe zu Volksliedern verbindet sie. Ein paar Jahre später begeben sie sich auf eine gemeinsame Reise, um Volkslieder in Maine zu sammeln und zu konservieren. Zwischen zwei Weltkriegen, zwei Kontinenten und zwei Herzen treffen sie sich immer wieder heimlich. Wir Zuschauenden bekommen nicht viel von ihrer ausgelebten Liebe zu sehen, ihre Zuneigung zueinander über Blicke, Musik und Klang aber umso mehr. Zwischenzeitlich war ich verwirrt, wohin der Film führt, am Ende wusste ich es genau. Ich habe lange nicht mehr so bitterlich und viel im Kino geweint. Der Film hat mir einen neuen Zugang zu Klang eröffnet. Sehr empfehlenswert, wenn ihr mal wieder richtig weinen und Paul Mescals Gesang dazu im Hintergrund hören möchtet! 

Ein Song aus dem Soundtrack, der es in meine Playlist geschafft hat: Silver Dagger – Joan Baez oder die Version von Fleet Foxes! 

Ein Mann und sein Rocky – Project Hail Mary: Der Astronaut 

„the definition of ‘accidentally became important at work and it’s ruining my life’” – mak

interstellar son or project hail mary daughter?“ – OakeyReviews

why’d rocky have to sound like a discord mod he coulda been meryl streep“ – benoftheweek

In Project Hail Mary überlebt der Lehrer Ryland Grace, gespielt von Ryan Gosling, als einziger in einem Raumschiff auf einer Mission, die die Menschheit vor dem Erfrieren retten soll. Im Weltall lernt er ein steinartiges Alien kennen, das er selbst Rocky tauft und mit dem er sich über eine Sprachsoftware seines Laptops verständigt. Zusammen nehmen sie sich der Mission an, die Erde und Rockys Heimatplaneten Erid zu retten. 

Ich habe den Film gern geschaut, er hat mich aber nicht ganz umgehauen. Für mein Gefühl war er etwas langatmig und der Handlungsstrang etwas unspektakulär. Die Verbindung zwischen Grace und Rocky hat mich leider nicht so emotional berührt, wie ich es gehofft habe. Dennoch gibt es schöne Momente zwischen den beiden und ihre Kommunikation hat durchaus etwas Besonderes. Ich denke, es liegt vor allem daran, dass mich Filme, in denen ein weißer Mann (und ein Stein) die Welt retten sollen, einfach nicht so 100% abholen. 

© Foto von @photoholgic auf Unsplash.

Ein Highlight war für mich Sandra Hüller, auch wenn der Film den Bechdel-Test nicht bestanden hat. Schade. Als Eva Stratt leitet sie die Forschungsgruppe und sorgt dafür, dass Grace (unfreiwillig) im All landet. Gleichzeitig frage ich mich: Ist er wirklich der einzige Mensch, der die Erde retten kann? Die Brille macht ihn zwar zu Smart Ryan Gosling, aber ich habe ihm die Rolle des Wissenschaftlers leider nicht ganz abgekauft. Dafür mochte ich die humorvolle Ebene des Films sehr und habe viel gelacht. Manche Dinge, etwa, dass er ohne Ausbildung einfach dieses Raumschiff fliegen kann, empfand ich dann wiederum als unrealistisch. Vielleicht sollte es das aber auch sein: eine Parodie auf Filme wie Interstellar und ähnliche Geschichten, die immer wieder denselben Handlungsstrang bedienen.

Ein Song aus dem Soundtrack, der es in meine Playlist geschafft hat: Sign of the Times – Harry Styles (aber eigentlich brauche ich Sandra Hüllers Version. Ich hoffe, ein Aufnahmestudio öffnet ihr demnächst die Pforten).

Der Teufel trägt Prada 2 – Ein würdiges Sequel? 

sometimes nostalgia bait just works man“ – mak

should have named it The Devil Still Wears Prada‘“ – timtamtitus

i’ve seen enough, give meryl streep her 22nd oscar nomination.“ – ram

Die erste Hälfte des Sequels ist mit vielen Referenzen an den ersten Film gefüllt, die für meinen Geschmack etwas zu häufig eingespielt wurden. Nostalgie kann wunderbar funktionieren, gerade wenn sie Parallelen sichtbar macht und eine Verbindung zum ersten Film öffnet. Doch sie sollte nicht die gesamte erste Hälfte der Filmhandlung tragen. Ja, wir fanden es im ersten Film gut und ja, es hat funktioniert. Das muss aber nicht bedeuten, dass der Rückgriff auf ikonische Momente die einzige Grundlage des Sequels sein sollte. Der erste Film ist vor 20 Jahren erschienen, seit dieser Zeit hat sich einiges verändert. Dementsprechend hätte ich mir dann doch noch etwas mehr Originalität gewünscht, auch wenn ich ein großer Sucker für Nostalgie bin.

© Foto von Nataliya Melnychuk (@natinati) auf Unsplash.

Die Lichteinstellung der Kamera war wirklich grausig. Kalt, hell und wenig Kontrast. Es wirkte stellenweise eher wie ein Werbespot als ein Film. Auch die Dialoge haben mich nicht wirklich überzeugt. Während im ersten Film ikonische Sätze entstanden sind, wirken sie hier oft schwerfällig und unnatürlich. Niemand spricht so, vor allem Andy Sachs nicht. 

Hinzu kommt, dass relativ viele Plots aufgemacht wurden, um möglichst alle bekannten Figuren unterzubringen. Das führt dazu, dass der Film manchmal alles und nichts zugleich will. Warum bekommt Andy plötzlich ein Love Interest, der mit keinem anderen Handlungsstrang verknüpft wird? Das hätte es nicht gebraucht. Darf eine Frau in Hollywood nicht einmal single sein? Auch die ikonischen Outfits aus 2006 habe ich schmerzlich vermisst. Aber vielleicht waren der Style und die Outfits der 2000er auch einfach sehr viel cooler als die jetzigen. 

Gleichzeitig macht Simone Ashley als Neuzugang im Cast einen wirklich tollen Job und der Soundtrack sowie die musikalische Untermalung der Szenen erinnern sehr an den Vibe des ersten Films – aber auf eine gute Art und Weise! Grundsätzlich war mir der Fokus auf Milliardär*innen, die Runway unter sich aufteilen, zu dominant. Etwas unoriginell, aber vielleicht auch genau am Zahn unserer Zeit, in der wenige weiße männliche Milliardäre die Welt beherrschen wollen und Journalist*innen mit Kurzform-Content-Plattformen um die Aufmerksamkeit des Publikums ringen. Insgesamt war das Sequel kein Flop, aber auch kein Top. 

Ein Song aus dem Soundtrack, der es in meine Playlist geschafft hat: RUNWAY – Lady Gaga, Doechii.

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