Der optimale Flummi schafft 300 km/h. Der optimale Flummi löst lowkey Sorge um die eigene Unversehrtheit aus. Wenn der Flummi nicht genug Schmackes hat, dich straight up wie eine Steinschleuder k.o. zu flitschen, dann willst du ihn nicht.
Als Kind ist ein Flummi irgendwie ungeil, weil du ihn eh nicht komplett durch die Wohnung ballern darfst, und wenn du‘s doch machst, gehen die Weingläser kaputt, und dann ist Mama sauer und sagt, sie legt „den Flummi nur kurz zur Seite, bis du dich beruhigt hast“, aber es ist kein Zufall, dass du ihn nie wieder findest. Und wenn du den Flummi nur vorsichtig dribbeln darfst, kannst du’s auch gleich lassen. Und irgendwann rollt er eh unter einen Schrank und du denkst „war sowieso langweilig“ und dann vergisst du ihn und machst Abi und ziehst aus und wirst Mitte/Ende 20.

Dann suchst du ein gutes Gesellschaftsspiel, weil du mal einen gesitteten Spieleabend mit Wein und Snacks ausrichten willst, also gehst du in den Spielwarenladen und wo du schon mal dabei bist, kannst du ja auch gleich ein bisschen stöbern. Und vielleicht ist es Zufall, vielleicht ist es Schicksal, vielleicht habt ihr doch immer schon zusammen gehört, aber auf jeden Fall spürst du: da ist ein Ruf, da ist eine Magie, also drehst du dich um und du schaust den Flummi an und der Flummi schaut zurück.
Du bringst ihn nach Hause wie ein entlaufenes und verloren geglaubtes Haustier, in der Wohnung setzt ihr euch auf den Boden im Flur. Du wirfst ihn probeweise gegen die Wand, nur leicht, nur vorsichtig, wie du es gelernt hast. Der Flummi kommt zurück zu dir, zaghaft und scheu. Ihr müsst euch erst noch aneinander gewöhnen. Deine Hand kennt sein Gewicht noch nicht, er kennt die Struktur deiner Raufasertapete noch nicht. Aber das macht nichts, ihr habt ja Zeit, ihr müsst nichts überstürzen.
Du lässt ihn ein wenig durch die Wohnung kullern, Türschwellen erkunden, staubige Ecken ausloten; die Katze guckt vom Fensterbrett zu und findet es suspekt.
Am Anfang ist es merkwürdig, aber langsam fängst du an, alte Normen zu unlearnen. Mama ist nicht hier, also kann sie auch nicht sauer werden. Niemand da, der dir Fernsehverbot geben kann.
Also stehst du auf, mit dem Licht unendlicher Möglichkeiten in deinen Augen und mit der Kraft tausender flummiloser Kinder in deinem Arm.
Du holst aus und wirfst und für einen Moment sind der Flummi und du ein Komet, zerstörerisch und unendlich schön, und ihr wollt in die Geschichte eingehen. Wie der Meteorit mit den Dinosauriern, hinter euch ein Feuerschweif und der Staub aus dem All und aus den Wohnungsecken.
Und niemand wird dir jemals wieder Fernsehverbot geben, denn der Flummi hat den Fernseher zerschossen und die Splitter liegen auf dem Boden verstreut, aber du fühlst dich zum ersten Mal seit 20 Jahren ganz.
Kommentar verfassen