Kulturproleten ist tot – lang lebe Kulturproleten

Das klassische Originallogo der Kulturproleten. © Kulturproleten.

Warf man im Jahr 2025 einen Blick auf die Website der Kulturpoetik in Münster, so fand man dort in der Form eines Links eine Spur, die zu einem faszinierenden digitalen Relikt vergangener Tage führte – dem Blog Kulturproleten. Dieser wurde 2015 von fünf Studierenden der Kulturpoetik gegründet, für uns besser bekannt als die Generation 1.0. Diese füllten den Blog einst mit Leben, indem sie über alles schrieben, was irgendwie „kulturell“ erschien; inspiriert von Studium oder Alltag, mal akademisch, mal kreativ.

Nachdem die Generation der Gründer*innen Münster 2020 verlassen hatte, wurde der Blog von der Generation 2.0 weitergeführt, die den Geist des Blogs weitertrugen und ihn mit ihren eigenen Ideen füllten. In diesen insgesamt zehn Jahren sind über 100 Artikel, verschiedene Kooperationen und sogar eine Publikation entstanden. Eine wahre Schatzkiste gefüllt mit Texten über Texte, (bewegte) Bilder, Ton und Gesellschaftliches. Dieser Schatz soll auf jeden Fall bewahrt werden. Doch wir sind keine Internet-Archäolog*innen, die ihn für euch ausbuddeln, abbürsten, hinter Glas stellen und unangetastet lassen: Wir wollen die Schatzkiste weiter füllen.

2026 sollte also das Jahr sein, in dem die Generation 3.0 ihre eigenen Texte dem Schatz beisteuert. So gingen wir motiviert ans Werk, teils Archäolog*innen, teils Nekromant*innen und versuchten, auch für unsere Worte die geeignete Form zu finden. Dabei stellten wir schnell fest, dass die Schatzkiste, die sie Blog nannten, zwar großartig war, aber für unsere Ideen nicht mehr ganz passte (und aus einer veralteten WordPress-Version gezimmert war). Daher nahmen wir die Kiste kurzerhand auseinander, schliffen die Bretter ab, lackierten sie neu, setzten sie wieder zusammen, bis wir uns nicht mehr sicher waren, was wir da vor uns hatten. Den Blog des Theseus? Überhaupt noch einen Blog? Wir entschieden uns, dass das Label ‚Kulturproleten‘ immer noch hundertprozentig passte, aber das Label ‚Blog‘ sich nicht mehr richtig anfühlte. Daher möchten wir euch heute Kulturproleten als etwas Neues vorstellen: ein Onlinemagazin.

Was euch erwartet

Ihr dürft euch von nun an wieder auf Artikel freuen, die ganz im Zeichen der ‚Kulturproleten‘ stehen: jegliche Art von (Pop)Kultur, sei es Buch, Film, Serie, Musik,  Event oder gesellschaftliche Entwicklung, kann hier zum Gegenstand werden. Dabei wollen wir uns weder thematisch noch formal Grenzen setzen. Ihr dürft euch also auf eine Wundertüte an Beiträgen freuen. Jeden Freaky Freestyle Friday wird es hier einen neuen Artikel geben, bei dem alles erlaubt ist.

Außerdem wollen wir mit euch raus aus dem akademischen Elfenbeinturm und das wortwörtlich. Raus aus dem Seminarraum, raus aus der Bib und bitte rein in die Kneipen, Cafés und Clubs der Stadt. Ihr fragt euch ständig: „Was geht die Woche?“ – wir haben die Antwort! Jeden Montag werden Anastasia und Sinja euch auf dem Laufenden halten und die coolsten Lesungen, Kneipenquizzes, Konzerte und andere Veranstaltungen vorstellen. Folgt uns am besten auch direkt bei Instagram, damit euch kein Event entgeht!

© Kulturproleten. Erstellt mit Canva.

Das Herzstück unseres Onlinemagazins werden Artikelreihen bilden, die wir Seasons nennen. Für den Lauf einer Vorlesungszeit werden wir uns einem Thema widmen, zu dem ihr euch auf Beiträge aller Art freuen könnt. Diese Artikel erscheinen wöchentlich am Mittwoch und unsere erste Season trägt den passenden Titel Renaissance. 

Tomke

Renaissance

Renaissance, die – „von Italien ausgehende kulturelle Bewegung des 14. bis 16. Jahrhunderts, die besonders auf literarisch-künstlerischem Gebiet das Lebensgefühl der Antike zu erneuern suchte“ (DWDS) · nur im Singular. Dagegen: Renaissance, die – „Wiederaufleben, Neublüte“ (DWDS) · Nominativ Plural: die Renaissancen. Nach frz. renaissance „Wiedergeburt, Erneuerung“ und frz. renaître „wiedergeboren werden, wieder aufleben“. So vieles in dieser Welt geschieht irgendwie zyklisch, immer wieder, immer wieder neu. Schweift das wache Auge durch den Tag, so fällt der Blick immer wieder auf das Wieder: die kleinen Renaissancen auf dem Weg durch die Zeit. War früher alles besser und deshalb machen wir es wieder? Sicherlich nicht alles, doch so manches Wieder birgt Potenzial. Jedes Wieder ist eine Entscheidung. Aber kann ein Wieder ein reines Wieder sein oder ist es nicht immer auch ein Wieder Neu? Wird Zeit, dass sich damit mal wieder jemand auseinandersetzt… 

Hannah

Renaissance. Was bedeutet Renaissance? Wiedergeburt und Wiederentdecken? In der ersten konstituierenden Sitzung wurde der Vorschlag gemacht, das erste Oberthema als Renaissance zu setzen. Ich fand es schön und gleichzeitig auch spannend – Was ist das überhaupt für uns? Wiedergeburt ist klar. Dieser Blog wird wiedergeboren. Es gab ihn schon einmal und wir ziehen ihn jetzt wieder neu auf. Mit neuen Ideen, neuen Menschen und neuen Schwerpunkten. Easy. Wiederentdecken finde ich schon schwerer. Aber was habe ich persönlich wiederentdeckt? Lesen, Häkeln und funny enough auch die Farbe Pink. Sachen, die ich früher geliebt und dann aus den Augen verloren habe. Und das sind nur die Sachen, die ich gerade mit der Renaissance verbinde. Jede*r hat ja andere Gedanken und Ideen dazu. Daher: Danke an die Person, die es vorgeschlagen hat! Das wird eine interessante und intime Ausgabe.

Anastasia

Natürlich, Renaissance bedeutet zuerst einmal, etwas wiederzuentdecken. In meinem Fall, als Comickind, würde ich am liebsten stapelweise die Tim-und-Struppi-Lucky-Luke-Entenhausen-Heftchen vertilgen – genau so, wie ich es schon einmal gemacht habe. Renaissance sollte aber auch bedeuten, etwas Neues im Alten zu finden, um es wieder, aber eben anders zu erleben. Von den „neuen“ Kulturproleten bin ich daher vor allem gespannt, was sie dem „alten“ Blog hinzufügen, dass man ihn als ihren erkennt. Was dabei meine eigene kulturelle Renaissance ist, davon handelt mein Beitrag. Es gibt nur ein Problem: Ich traue mich nicht so ganz in die Materie. Denn was, wenn ich nichts Neues entdecke – oder noch schlimmer – nichts mehr an dem Alten finde?

Julian

© Kulturproleten. Erstellt mit Canva.

Von antiker Kunst über den Humanismus bis hin zu da Vinci… es gibt viele Dinge, die man mit der Renaissance verbindet. Das einprägsamste Wort dürfte dabei ‚Wiedergeburt‘ sein – die Wiedergeburt der Antike, ein Aufbruch oder gar Neuanfang einer neuen Epoche. Eine neue Epoche startet auch für den Kulturproleten: nach einer langen Auszeit steigt er aus seinem Grab empor und erstrahlt mit neuer pulsierender Energie. Unter dem Thema Renaissance erscheinen in der ersten Ausgabe deswegen ganz unterschiedliche Interpretationen der historischen Epoche. Filmliebhaber*innen aufgepasst: ihr könnt euch dabei besonders auf Artikel über alte Filme freuen, die ebenfalls aus ihren Gräbern geschaufelt werden.

Sina

Die Renaissance kann die Wiederentdeckung von Dingen sein, die uns in unserer Kindheit schon Spaß gemacht haben, die über die Jahre aber wieder in Vergessenheit geraten sind. Für mich bedeutet das, wieder kreativer zu sein, mehr zu schreiben und vielleicht auch mal mein altes Sims Spiel herauszukramen. Die Renaissance ist ein Comeback von ehemaligen Trends wie Kleidungsstilen, Musik oder Bands. Für uns Kulturprolet*innen heißt es also: in der Erinnerung kramen und die besten Geschichten, Fundstücke oder interessantesten Trends aus der Vergangenheit herausholen und sie wieder in machen. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die Ideen und Neuentdeckungen meiner Kolleg*innen.

Sinja

Finden in der Renaissance alte Dinge wieder den Weg zu uns zurück, oder finden wir wieder den Weg zu vergessen oder verloren geglaubten Dingen? Wird mit früheren Interessen auch ein Teil unseres früheren Ichs wiedergeboren? Oder braucht es unsere veränderte Perspektive, um Sachen neu wertschätzen zu können? Wir sind inzwischen vermutlich andere Personen als noch vor einigen Jahren, aber manche alten Hypes schlummern nur hinter Abwasch machen, BaföG Antrag stellen oder Müll rausbringen. Vielleicht braucht’s nur die eine Erinnerung, den einen klaren Moment, um zu checken: Hannah Montana war eigentlich cool. Flummis? Extrem lässig. Freund*innenbücher? Fast noch toller als damals! Wir Kulturprolet*innen gucken im Zuge unserer Blogwiedergeburt auf Dinge, die wir wiederentdecken und die uns wieder beschäftigen, mal zweifelnd, mal ernst, mal begeistert – wir sind gespannt.

Helena

Vielleicht habt ihr unser Poster sogar schon in der Offline-Welt entdeckt? © Kulturproleten. Erstellt mit Canva.

Als Kulturproleten 3.0 hauchen wir dem Onlinemagazin wieder neues Leben ein, da könnte das Thema Renaissance kaum passender sein. Für mich bedeutet Renaissance, alte Leidenschaften neu zu entdecken und zu dem zurückzukehren, was mich einmal bewegt hat, nur aus einer neuen Perspektive. Sei es ein Song aus meiner Kindheit, ein längst verloren geglaubtes Schmuckstück meiner Oma oder ein unterstrichenes Zitat in meinem Lieblingsbuch, sie alle wecken Nostalgie, die mich nicht loslässt. Doch die Frage bleibt: Was hole ich zurück, was mache ich daraus und was macht das am Ende mit mir?

Neele

Renaissance, Reread, Rewatch, Reaktivieren. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich mit Altem neu zu befassen. Sei es, ein Buch ein weiteres Mal zu lesen, eine Serie oder einen Film erneut zu schauen oder ein altes Hobby wieder aufleben zu lassen. Manchmal bedeutet Renaissance aber auch etwas, das man eigentlich schon abgeschrieben hat, einen zweiten Versuch zu geben. In dieser Season möchte ich mich damit befassen, was Renaissance für mich selbst bedeutet. Auf welche Weise ich in meinem Leben Dinge reaktiviere und wieder neu entdecke. Und welchen Dingen ich eine zweite oder vielleicht auch dritte Chance gebe. Ich freue mich auf unsere Renaissance der Kulturproleten und bin gespannt, was auf uns zukommt.

Rahel

Die der Renaissance inhärente Wiedergeburt von Leidenschaften, Trends und Gedankenspinnereien findet sich zuhauf in der heutigen Popkultur wieder. In der Vergangenheit kramen und dabei alten Geistern neues Leben einhauchen – das ist schließlich auch ein Teilziel dieses Magazins. Da das Internet ja bekanntlich nichts vergisst, sieht unsere moderne Renaissance etwas anders aus als die uns mindestens aus dem Kunstunterricht bekannte Epoche. Vielleicht lässt sich sogar behaupten, dass sie eine deutlich verzweigtere Wiedergeburt ist, bei der an allen Ecken und Ende online stetig neues Altes entdeckt wird? Ob persönlich und privat, oder im großen, viralen Stil – Renaissance is everywhere. Nicht zuletzt im Lager der Kulturprolet*innen! 

Josy

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